Mehrdimensionale Diagnostik und Therapie

Die Komplexheit und Dynamik menschlicher Systeme kann nicht durch einen eindimensional ausgerichteten diagnostischen Vorgang erfaßt werden, da dieser nur einen Teilaspekt der Ganzheit erfassen kann.
Um die gesamte Komplexität und Dynamik diagnostisch zu erfassen, werden drei verschiedene, wissenschaftlich anerkannte, diagnostische Sichtweisen verwendet. Diese werden im diagnostischen Prozeß für die Bewertung der gesammelten Information einerseits parallel nebeneinander und gleichzeitig auch integrierend im Sinne von Zusammenfügen von Informationen zu einem Gesamtergebnis verwendet.
Bei der diagnostischen Bewertung der Informationen über den körperlichen Zustand wird in diesem Modell die tradierte, naturwissenschaftlich ausgerichtete biologische Sichtweise verwendet.
Bei der Bewertung der Information aus dem sozialen Bereich bedient sich das Modell eines systemtheoretischen Ansatzes, der es möglich macht, soziale Zusammenhänge, Interaktionen und deren Beweggründe in ihrer Dynamik und Komplexität zu bewerten.
Die diagnostische Bewertung der gesammelten Information aus dem psychischen Bereich basiert auf dem theoretischen Rahmen der Tiefenpsychologie, deren qualitativer Ansatz ein Verstehen und Einordnung des Umganges mit psychischen Erlebnissen und der individuellen Verarbeitung von emotionell irritierenden Erfahrungen ermöglicht.
Diese drei unterschiedlichen, wissenschaftlich anerkannten Zugänge ermöglichen durch das parallele und gleichzeitig integrierende Betrachten der Information von unterschiedlichen Sichtweisen aus eine diagnostische Bewertung des gesamten menschlichen Systems. Jede Sichtweise bringt den ihr zugänglichen Teil des Erkennens ein, ohne daß eine Wertung über mehr oder weniger "wahr" stattfinden muß. Insgesamt entsteht dadurch ein diagnostisches Mosaikbild, welches sowohl Dynamik als auch Komplexität integrieren kann.

Die mehrdimensionale Erarbeitung eines solchen Mosaikbildes bildet die Basis für individuell abgestimmtes, mehrdimensionales therapeutisches Planen und Handeln.
Für möglichst befriedigendes therapeutisches Planen und Handeln gibt es zwei Aufgabenstellungen. Erstens ist zu klären, welche therapeutischen Strategien notwendig sind, um mit den "krankmachenden" Problemen und Anforderungen möglichst befriedigend umzugehen. Der zweite Punkt betrifft die Klärung, welche Möglichkeiten es gibt, um "krankmachende" Anforderungen zu beseitigen oder zu reduzieren. Generelles Ziel therapeutischen Handelns ist das Erreichen eines Systemzustandes, der sich in möglichst vielen Bereichen möglichst weit im Bereich von Gesund - Sein befindet und möglichst lang in diesem Zustand verbleibt.
Ein solcher Ansatz erfordert ein therapeutisches Konzept, daß ganz individuell auf ein menschliches System ausgerichtet ist und welches pragmatisch alle sinnvoll erscheinenden therapeutischen Strategien integriert.