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ARBEITSBEREICH:
Ergebnisse der Komplexitätsforschung - Konsequenzen für medizinische Diagnostik und Therapie

Karl ToiflLeitung: Univ. Prof. Dr. Karl Toifl
Univ. Klinik für Neuropsychiatrie
des Kindes- und Jugendalters
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18 - 20
A-1090 Wien
Tel: (0043) 1 - 40400 3038
Email: karl.toifl@meduniwien.ac.at
Homepage: www.karltoifl.at
www.meduniwien.ac.at

Dieser Forschungsbereich basiert auf den Erkenntnissen von Chaostheorie und der Theorie der Selbstorganisation in komplexen Systemen. Dieser Forschungsbereich verfolgt zwei Hauptziele. Einerseits sollen bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse auf die Dynamik und Komplexität des menschlichen Systems sowie die Selbstorganisation von Gesund und Krank umgelegt werden und praktische Anwendungsmöglichkeiten erarbeiten. Andererseits sollen auf dieser Basis neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden.

Abgeschlossene Projekte:

  • Entwicklung und Alltagserprobung einer neuen Definition von Gesund und Krank, welche sowohl die menschliche Komplexität als bio-psycho-soziale Mehrdimensionalität integriert als auch den dynamischen Prozess der Selbstorganisation über die Zeit.

  • Entwicklung und Alltagserprobung eines Organisationsmodells für stationäre Einrichtungen in Krankenhäusern, welches mehrdimensionale Diagnostik und Therapie in befriedigender Weise ermöglicht. Dieses Organisationsmodell basiert auf Teamarbeit mit Gleichwertigkeit der Mitarbeiter und funktionell hierarchischer Verantwortung anstatt standeshierarchischer Strukturen. Der diagnostische und therapeutische Prozess jedes individuellen Patienten wird als Projektaufgabe definiert. Der jeweilige Patient ist mit seiner Verantwortung in diesen Prozess eingebunden.

  • Entwicklung und Anwendung eines Modells für die Lehre und das Üben mehrdimensionaler Diagnostik und Therapie.

  • Pilotprojekt: " Entwicklung eines wissenschaftlichen Forschungsinstrumentariums zur Untersuchung der Selbstorganisation eines psychotischen Selbst".

Derzeit laufende Projekte:

  • Wissenschaftliches Forschungsprojekt: "Sexueller Missbrauch über Generationen": In diesem Projekt wird folgende wissenschaftliche Hypothese untersucht:
    1. Erfahrung von sexueller Gewalt wird über Generationen weitergegeben, wenn dieses Problem als Tabu betrachtet wird.
    2. Spezielle familiäre Verhaltensmuster ermöglichen sexuellen Missbrauch in Familien und werden bei Nichthinterfragen über Generationen weiter gegeben.
    3. Eine Deprivation der emotionalen Entwicklung führt bei den Opfern zu einer Reduzierung des Selbstwertesund fördert das Viktimisierungsrisiko.

  • Entwicklung, Erprobung eines Evaluierungsmodells für mehrdimensionale Diagnostik und Therapie. Dabei werden in Abstimmung mit dem Patienten nach mehrdimensionaler Diagnose folgende Bereiche definiert und danach evaluiert. Es werden für den organischen, psychischen und sozialen Bereich Stärken (d.h. wo der Patient gesund ist), seine Verbesserungspotentiale (d.h. wo Gesundheitsschwächen bestehen) definiert. Diese Verbesserungspotentiale erhalten vom Patienten einen individuellen und evaluierbaren Wert. Auf dieser Basis werden therapeutische Ziele formuliert, die der Patient in 6 Monaten erreichen möchte und ebenfalls mit einem angestrebten Wert versehen. Außerdem werden die therapeutischen Maßnahmen formuliert. All dies wird in Alltagssprache in einem speziellen Software Programm niedergeschrieben.
    Die Evaluierung selbst erfolgt in den Bereichen Ausmaß an Zielformulierung, Tendenz der Entwicklung und Ausmaß der Zielerreichung vorgenommen. Die Ergebnisse werden visualisiert sowohl Patienten als auch Behandlungsteam mitgeteilt, um eine laufende Qualitätsverbesserung zu ermöglichen.

  • Entwicklung und Erprobung eines Instrumentariums zur Bewusstwerdung des aktuellen Gesundheitszustandes. Basierend auf einer Definition von Gesund - Krank, welche auf Basis von Ergebnisse der Komplexitätsforschung vorgenommen wurde, werden in einem ersten Schritt an gesunden Probanden über 3 Wochen und 2 mal pro Tag folgende Fragen erhoben:
    1. Wie erleben Sie das Ausmaß an Anforderungen im körperlichen, psychischen und sozialen Bereich?
    2. Wie gut haben Sie mit Hilfe ihrer Strategien die Anforderungen bewältigt?
    3. Wie schätzen Sie ihren derzeitigen Gesundheitszustand für diese 3 Bereiche ein?

Literatur:

Karl Toifl, Chaos im Kopf.
Chaostheorie - ein nichtlinearer Weg für Medizin und Wissenschaft.
Maudrich, Wien, Bern, 1995,
ISBN 385 175 584 7
Inhaltsangabe

Karl Toifl (Hrsg), Chaostheorie und Medizin.
Selbstorganisation im komplexen System Mensch.
Maudrich, Wien, Bern, 1999,
ISBN 3 58 175 728 9
Inhaltsangabe

Karl Toifl, Lebensfluss zwischen gesund und krank.
Facultas Universitätsverlag, Wien. 2004,
ISBN 3-85076-611-x
Inhaltsangabe

Barbara Kimmel,
Pilotprojekt zur Entwicklung und Erprobung eines Modells zur Untersuchung der Selbstorganisation des Selbst bei psychotischen Menschen
Diplomarbeit an der Universität Wien, 2000
Inhaltsangabe